Montag, 9. Oktober 2017

Morgenpost (7.10.17)

Josefine Preuß lebt nicht auf großem Fuß
Schauspielerin Josefine Preuß spricht im Interview über ihre Familie, materielle Sicherheit und darüber, wofür sie gerne Geld ausgibt.

Für ihre Rolle im Fernsehfilm "Das Cello" musste Josefine Preuß nicht nur an ihre emotionalen Grenzen gehen, sondern auch nackt spielen. Für die Schauspielerin kein Problem. Im Interview spricht sie über ihr inniges Verhältnis zu ihrer Familie und ihr Sicherheitsbedürfnis.
In Ihrem neuesten Film "Das Cello" erlebt Ihre Filmfigur Theresa eine sehr traurige Kindheit. Wie sind Sie selbst aufgewachsen?
Josefine Preuß: In einem sehr liebevollen Elternhaus. Ich habe extrem junge Eltern. In der früheren DDR war das ja so, dass die jungen Leute schon oft im Studium eine Familie gründeten. Es war somit leichter an eine Wohnung zu kommen und der Staat hat es den Frauen auch leicht gemacht, wieder in ihren Beruf zurückzukehren, indem er für die Kinderbetreuung gesorgt hat. Meine Schwester und ich sind sehr behütet aufgewachsen. Und auch heute haben wir immer schöne und lustige Familientreffen. Mein Vater, ein Polizeidirektor, ist sehr sarkastisch. Meine Mutter, eine Lehrerin, extrem zynisch. Wir liegen oft vor Lachen auf dem Boden, so fröhlich geht es bei uns zu.

Haben Sie viel Kontakt zu Ihrer Familie?
Ich bin immer mit meiner Familie in Kontakt. Auch wenn ich drehe und wir uns nicht sehen können, sind wir in Verbindung. Dank der modernen Technik ist das heute ja auch kein Problem mehr. Wir telefonieren und skypen dann und halten uns so auf dem Laufenden, was gerade passiert. In einer guten Familie aufgewachsen zu sein, ist immer die Basis, selbst tolle Beziehungen führen zu können
Sind Sie ein Mensch, der seinem Herzen folgt?
Auf jeden Fall. Das ist sogar ganz klar unser Familienleitspruch: Tue immer das, was dein Herz dir sagt. Das habe ich immer so gehalten, und bin damit auch immer gut gefahren.
Sie sind im Sternzeichen Steinbock geboren. Wie wichtig ist Ihnen Sicherheit?
Sicherheit ist mir sehr wichtig, in jeder Hinsicht, beruflich wie privat. Wenn ich an unser Gesundheitssystem denke oder mein jährliches Schreiben von der Rentenversicherung bekomme, könnte ich jedes Mal heulen. Für die junge Generation sieht es einmal düster aus, wir werden vom Staat nicht mehr unterstützt. Ich kann nur jedem empfehlen, jeden Monat das, was er entbehren kann, zur Seite zu legen. Ob 20, 50 oder 100 Euro – einfach unter die Matratze packen, dann hat man irgendwann wenigstens ein bisschen etwas. Auf der Bank bekommt man ohnehin nichts mehr.
Sie haben mit 14 Jahren deshalb schon eine private Rentenversicherung abgeschlossen.
Dazu hat mir mein Vater zum Glück geraten. Mit 14 Jahren denkt man ja nicht an eine private Absicherung für das Alter. Ich bin sehr glücklich darüber, dass er das für mich getan hat. Aber auch so weiß ich, dass es in meinem Beruf keine wirkliche Sicherheit gibt. Im Moment läuft es für mich wunderbar, ich werde sehr gut besetzt, kann über mangelnde Arbeit nicht klagen. Aber ich weiß natürlich, dass es dafür keine Garantie gibt und das nicht immer so bleiben muss. Ich lebe daher auch nicht auf großem Fuß. Ich kenne meine Einkünfte und meine laufenden Kosten. Ich lebe nicht über meine Verhältnisse. Ich habe zwar ein Auto, auch mit meiner Wohnung in Berlin habe ich totales Glück. Ich habe noch einen alten Mietvertrag, der keine Erhöhungen vorsieht.
Wofür geben Sie denn Geld aus?
Ich gebe mein Geld gerne für Reisen aus. Das ist mein liebstes Hobby. Ich möchte gerne recht viel von der Welt sehen und wenn ich manchmal einen Langstreckenflug über 16 Stunden in ein tolles Land habe, dann kostet der natürlich auch entsprechend. Allerdings recherchiere ich vorher das allergünstigste Angebot. Aber wie gesagt, das ist es mir wert. Ich zehre oft lange von meinen Reisen und die schönen Erinnerungen kann mir niemand nehmen.
Als Sie sich für "Die Pilgerin" die Haare abschneiden lassen mussten, haben Sie geweint. Was bringt Sie sonst zum Weinen?
Ja, als meine Haare ab mussten, habe ich geheult, ich habe mich gar nicht mehr erkannt. Meine langen roten Haare waren immer mein Markenzeichen, und dann waren sie plötzlich weg! Was mich sonst zum Weinen bringt? Das kommt ganz darauf an, in welcher Phase meines Zyklus ich gerade bin (lacht). Es gibt Tage, da fange ich schon bei der "Merci"-Werbung im Fernsehen an zu heulen. Wir sind nun mal Frauen, das ist einfach so …
Sie wurden im vergangenen Jahr 30. Mit 30 fangen ja die ersten Freundinnen an, eine Familie zu gründen. Setzt Sie das unter Druck?
Tatsächlich ist jetzt die erste Freundin in unserem Freundeskreis schwanger. Ich freue mich total für sie. Wir schauen uns immer ihre Ultraschallbilder an und haben beschlossen, dass ihr Kind unser Test-Baby wird. Wenn es da ist, wollen wir alle sehen, wie das ist mit einem Kind und jeder darf dann mal mit ihm schmusen, kuscheln und es füttern – und dann wieder der Mama zurückgeben (lacht). Aber es setzt mich überhaupt nicht unter Druck. Ich habe nicht so eine konkrete Lebensplanung im Kopf, lasse das auf mich zukommen. Ich finde Kinder toll, schließe auch nicht aus, dass ich eines Tages Mutter werden möchte, aber in meiner jetzigen Lebensphase ist das noch kein Thema für mich.

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